Mediengeräte werden zunehmend handlicher, unsere Mobilität steigt. Wie Nutzen wir heutzutage mobile Medien? Welche gesellschaftlichen Veränderungen bringt dies mit sich? Gemeinsam mit Kommilitonen habe ich dies an der Hochschule der Medien im Seminar Medienforschung von Herrn Prof. Dr. Oliver Zöllner untersucht. Der Forschungsbericht Nutzung mobiler Medien steht jetzt zum download bereit.

Die Nutzung mobiler Medien bringt neue Nutzungsverhalten und gesellschaftliche Veränderungen mit sich!

„Mediengeräte werden zunehmend handlicher, unsere Mobilität steigt. Wer an einer Bushaltestelle steht, in einem Warteraum oder in einer U-Bahn sitzt oder einfach durch die Fußgängerzone seiner Stadt läuft, sieht fast überall Menschen, die telefonieren, Nachrichten austauschen, Texte lesen, Musik hören, Filme schauen. Die eigene Mediathek: Man hat sie dabei. Der „Knopf im Ohr“ und das konzentrierte Starren auf einen kleinen Bildschirm sind längst typische Merkmale des Bewegens im sozialen Raum geworden.

Wie findet mobile Mediennutzung bzw. die Nutzung mobiler Medien im öffentlichen Raum statt? Wie sind mobile Medien in den Alltag von Nutzerinnen und Nutzern eingebunden? Welche Veränderungen der Mediennutzung gehen mit der zunehmenden Miniaturisierung von Endgeräten einher? Wie lassen sich mögliche Änderungen in individuellen Verhaltensmustern und gesellschaftlichen Einstellungen theoretisch fassen?
Mit diesen und weiteren Leitfragen fanden sich im Wintersemester 2012/13 an der Hochschule der Medien Stuttgart rund 20 Studierende im Mastermodul „Empirische Medienforschung“ zusammen, um die Nutzung mobiler Medien im gesellschaftlichen Kontext zu erforschen. Entstanden sind drei Forschungsprojekte, die von den Autorinnen und Autoren mit hohem empirischem Aufwand erstellt worden sind. Diese Berichte sind nun in einer elektronischen Publikation nachzulesen. Unter dem Titel „Nutzung mobiler Medien. Struktur und Ordnung – drei Projektberichte“ ist dieses Buch kostenlos im Netz herunterladbar“

Prof. Dr. Oliver Zöllner

Angst vor Langeweile – Nutzung mobiler Medien in Wartesituationen

Selbst habe ich am zweiten Teil des Forschungsberichtes mitgewirkt. Hier ein kurzer Auszug des Forschungsziels:

Über die Nutzung mobiler Medien in verschiedenen Wartesituationen gibt der aktuelle Stand der Forschung nur ein unzureichendes Bild wieder. Auch sind den Autoren keine aktuellen Studien be-kannt, die diese Thematik medien- und situationsübergreifend untersuchen. Daher ergeben sich zahlreiche Fragestellungen. Da jede Wartesituation ihren eigenen Charakter besitzt, wäre es generell interessant, welche mobilen Medien an welchen Warteschauplätzen zu welcher Zeit vorrangig ge-nutzt werden. Welche Aussagen lassen sich hierbei über die mobile Mediennutzung von Männern und Frauen bzw. verschiedener Altersgruppen treffen? Gibt es gar Faktoren, die die Nutzung mobiler Medien in Wartesituationen einschränken?

Für die Nutzungsmotive von mobilen Medien gibt es ebenfalls verschiedene Erklärungen, die sich zumeist im Zusammenhang mit der Nutzung eines ganz bestimmten digitalen mobilen Mediums, dem Mobiltelefon, manifestieren. Der Kommunikationswissenschaftler Joachim Höflich interpretiert die erkennbare Nutzung des Mobiltelefons in Wartesituationen lediglich als einen Versuch, Dritten einen Deutungsgrund für sein Verweilen zu signalisieren. Denn letzteres würde ohne erkennbaren

Zweck grundsätzlich verdächtig auf andere wirken.2 Andere Forscher wie Iren Schulz bringen den Aspekt der Struktur ins Spiel, die sich quer durch unseren bis ins letzte getakteten Alltag zieht. Bei Jugendlichen ist das Mobiltelefon demnach Mittel und Ausdruck der kontemporären Alltagsorganisa-tion. Das Handy als persönlicher Alltagsbegleiter ist der Ausgangspunkt verschiedener routinierter Praktiken, die etwa in Wartesituationen Sicherheit spenden. Der US-amerikanische Anthropologe Christopher Lynn sieht das Smartphone als erweitertes Mobiltelefon bereits sogar als neue struktur- und sinngebende Zigarette für zwischendurch. In den Medien wird das Smartphone zudem als ulti-mativer Killer für (situative) Langeweile gefeiert und diskutiert. In seiner Kolumne „Nie mehr Lange-weile“ postuliert der Journalist Lars Mensel, dass die Menschheit durch das Smartphone gar das Warten verlernt hätte.

Doch trifft die pauschale Aussage vom Smartphone als sinnstiftende Zigarette für zwischendurch, ja sogar als Heilmittel gegen die vermeintliche Krankheit Langeweile überhaupt auf die Vielzahl an möglichen Wartesituationen zu? Was hat es mit dem Phänomen der Langeweile auf sich? Zudem hat es sich diese Arbeit zum Ziel gesetzt, den Bogen über das vielbeachtete Smartphone hinaus über alle heute verwendeten Formen von mobilen Medien zu spannen. Werden also mobile Medien wirklich nur zur Vermeidung von Langeweile benutzt? Welche sonstigen Motive der Nutzung oder Nichtnutzung von mobilen Medien können hervorgebracht werden? Wie verhält es sich in War-tesituationen mit dem von Konsumkritikern und Freizeitpädagogen angemahnten Verlust von Muße und kontemplativem Verhalten in unserer heutigen Zeit?


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Mit der Untersuchung haben wir versucht die folgenden Forschungsfragen zu beantworten:

  1. Wie stark und in welcher Form ist die Nutzung mobiler Medien in alltäglichen Wartesi-tuationen überhaupt ausgeprägt?
  2. Welche Motive liegen der Nutzung bzw. Nichtnutzung mobiler Medien in alltäglichen Wartesituationen zugrunde?
  3. Welchen Stellenwert nimmt die Langeweile im Alltag unserer Gesellschaft ein und wie steht diese in Verbindung zur Muße und Kontemplation?

Forschungsbericht

Der Forschungsbericht steht zum kostenlosen Download als PDF bereit.
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